Ein neugieriger Selfmademan mit einer Leidenschaft für das Handwerk und einer ansteckenden Neugier auf die innovative Hightech-Branche. Walter van Loon, Geschäftsführer und Inhaber von Euro Manchetten & Compensatoren mit Sitz in Kaatsheuvel, blickt auf 40 Jahre Wachstum und Innovation zurück.
„Ich liebe es absolut“, sagt Van Loon begeistert über die Implementierung technologischer Innovationen in seinem Unternehmen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen stecken bei uns noch in den Kinderschuhen. Letztendlich werden wir Produkte anders produzieren, was eine andere Denkweise erfordert. Man wird dann auch das Wissen über ein Produkt verkaufen, nicht das Produkt selbst.
40 Prozent Anpassung
Er ist sich bewusst, dass solche Investitionen für kleinere Organisationen wie die 25-köpfige Euro Manchetten & Compensatoren beträchtlich sein werden. Er schreckt jedoch nicht davor zurück, im Gegenteil. „Das Unternehmen existiert gerade deshalb, weil wir viele neue Produkte entwickeln, durchschnittlich zwei bis drei pro Jahr. Wir verfügen über eine Datenbank mit insgesamt 38.000 Artikel, die jährlich um ca. 3.000 Artikel erweitert werden Artikel hinzugefügt“, „Das ist ein großer Schritt“, sagt der Geschäftsführer stolz. Über 40 Prozent davon entfallen auf Individualisierung, die restlichen 60 Prozent auf Standardartikel. Van Loon vermutet jedoch, dass sich das Verhältnis künftig auf 5 Prozent Individualisierung und 95 Prozent Standardisierung verschieben wird. „Das Wissen steckt dann im Produkt, nicht mehr bei den Menschen.“ Insgeheim träumt er von einem speziellen Gebäude, das sich ausschließlich der Forschung und Entwicklung (F&E) widmet.
Das Fachwissen nimmt ab
Eine Entwicklung, die ihm sicherlich auch Sorgen bereitet, denn sie könnte leicht das Ende des Handwerks bedeuten. Auch Euro Manchetten & Compensatoren hat sich seit seiner Gründung 1972, damals noch unter dem Namen Hermans Flexibels, vom Handwerk zu einem eher hochtechnologischen Unternehmen entwickelt. Als Technikliebhaber hat Van Loon die Digitalisierung und die damit verbundene Beschleunigung in seinem Unternehmen miterlebt. „Heutzutage ist Automatisierung nicht mehr spürbar, aber vor fünfzehn Jahren waren wir unserer Zeit weit voraus. Alles muss immer schneller gehen, was nicht positiv ist. Außerdem nimmt das Allgemeinwissen ab. Die Leute wechseln oft den Job oder spezialisieren sich. Heute arbeiten sie in der IT und morgen graben sie Löcher, sie tun, was ihnen am besten gefällt. Nur das Fachwissen nimmt ab!“
Freche Schuhe
Als Van Loon im Sommer 1990 seine Tätigkeit als Geschäftsführer bei seinem ehemaligen Arbeitgeber aufnahm, hätte er sich nie träumen lassen, dass er fünf Jahre später die Position des Direktors innehaben würde. Geschweige denn, dass er Eigentümer von Euro Manchetten & Compensatoren werden würde, das im Jahr 2003 fusionierte. Es war eine gesunde Portion Unternehmergeist und Mut, die dafür sorgten, dass Van Loon 2000 den Schritt wagte. Ich war ehrgeizig und wollte vorankommen. Das Unternehmen war damals in einer Stiftung, für die niemand verantwortlich war. Ich habe immer diesen Karren gezogen. Die Stiftung wollte es mir verkaufen.
Aufgrund der Rezession, die die Niederlande seit 2002 durchmacht, musste Van Loon lange Zeit hart kämpfen, um etwas zu erreichen. Einem Freund, einem ehemaligen Bankangestellten, ist er noch heute dankbar für die finanzielle Unterstützung in den Krisenjahren.
Familienbetrieb
Mit Sohn Werner an der Spitze der eigenständigen Tochtergesellschaft Filcoflex und Tochter Andrea als Marketingleiterin entwickelte sich Euro Manchetten & Compensatoren ungewollt zu einem Familienunternehmen. „Das war nie meine Absicht, aber es war ein logischer Schritt. Wenn eines der Kinder heute sagen würde: ‚Ich gehe woanders arbeiten‘, wäre das für mich in Ordnung, solange es mit dem, was es tut, zufrieden ist.“ Als Hersteller flexibler Verbindungen ist er jeden Tag der Woche mit seiner Leidenschaft beschäftigt, Urlaube dauern nie länger als acht Tage. Ständig erforscht er, wie etwas verbunden werden kann. „Es ist ein Wille, aber manchmal ein Muss. Manchmal sage ich meinen Kindern: ‚Arbeitet nicht so viele Stunden wie ich, denn das ist nicht gut für euch.‘“
Zukunftspläne
Van Loon möchte jedoch möglichst weniger arbeiten, um sein Wissen zu erweitern. Etwas, das ihm schon als Kind Freude bereitete. „Früher konnte ich stundenlang ein Lexikon zur Hand nehmen und über Raumfahrt und Technik lesen, das war toll!“ sagt der neugierige Van Loon. „Wenn ich irgendwann aufhöre zu arbeiten, werde ich wieder studieren. Je älter ich werde, desto interessanter finde ich Geschichte, besonders wie sich etwas immer wieder wiederholt. Ich möchte auch eine Fremdsprache lernen, Arabisch oder Chinesisch. Wenn ich anderen dennoch sozial helfen kann, würde ich das gerne tun.“ Van Loon hat nicht viel Freizeit, aber wenn er welche hat, entspannt er sich im Fitnessstudio, fährt mit einem BMW auf einer Rundstrecke oder ist im Schießclub unterwegs. „Ich mache jetzt seit einem Jahr Zielschießen. Wenn man da nicht den Kopf frei bekommt, kann man die Kugeln auch gleich in den Mülleimer werfen, denn man trifft nichts.“ Van Loons lange, umfangreiche To-Do-Liste lässt sicherlich nicht darauf schließen, dass die Geranien alt werden. „Nein, keine Geranien“, sagt er lachend. Eher wie eine Ranch in den USA mit Pferden. Ich frage mich manchmal, ob ich das auch ohne Laptop schaffen würde. Vielleicht ist da noch ein bisschen das Farmleben meiner Eltern drin. Und dann kann ich auch wieder meinen Cowboyhut aufsetzen!
